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Geschichten vom Alltag      Eine Seite zurück

Alte Gewohnheiten

Nachdem wir wussten, wie unsere neue Wohnung aussieht, versuchten wir, so viel wie möglich aus dem alten Haus mit hinüber zu nehmen.
Im Bad wurde es besonders schwer, da uns jetzt weniger als ein Drittel an Platz zur Verfügung steht.

Mitnehmen konnten wir unseren Spiegelschrank, der zwar groß und wuchtig wirkt gegen den, der in der Wohnung hing. Ich fand unseren aber viel hübscher mit seinen Lampen, die an geschwungenen Stäben angebracht waren und die morgens ziemlich hell die Gesichtsfalten ausblenden können.

Deshalb hab ich diese Leuchte früher auch selten benutzt ;-) . Erich schon, jeden Morgen beim Rasieren. War auch gut so, wer weiß, was er sich unter Umständen noch alles abrasiert hätte……..

Er passte genau, hätte keinen Zentimeter größer sein können und stolz brachten wir ihn an die Wand.
Ein großes Badezimmer verleitet dazu, es voll zu stellen, mich jedenfalls. Nun hatte ich ziemliche Stauschwierigkeiten, so dass dieser Spiegelschrank bis in den letzten Winkel ausgenutzt wurde. Erst einmal…..

Da das Badezimmer wirklich ziemlich klein ist, gibt es nur eine Lichtquelle, nämlich die am besagten Spiegelschrank.
Der Schalter befindet sich draußen auf dem Flur, das ist auch gut so, denn das Bad hat kein Fenster.

Es passierte am folgenden Tag: Wir hatten kein Licht mehr im Bad. Erich schaute es sich kurz an und entschied, draußen am Schalter müsse etwas kaputt sein.
Mit Schraubenzieher bewaffnet machte er sich ans Werk. Doch dort war alles ok.

Waren es doch die Drähte hinter dem Schrank? Oh Mann, dann musste das Teil abgehängt werden.
Als starker Mann hob Erich den Schrank erst einmal mit Inhalt von der Befestigung. Er hatte nicht vorher hineingeschaut, ich hatte ja jede Menge Zeugs hineingezwängt……

Schnell durfte ich dann die schwersten Sachen aus dem Schrank entfernen, wobei ich auch wenig Stellfläche für die Dinge hatte, denn schließlich befanden wir zwei uns ja schon in dem kleinen Raum.
Erich überprüfte die Drähte, die auch in Ordnung zu sein schienen.
Ich merkte, wie er so langsam ungnädig wurde und schlug vor, einen Elektriker kommen zu lassen. Inzwischen hatte er auch an dem Schalter im Spiegelschrank probiert, aber es tat sich nichts.
Ich versuchte es nochmals von außen und oh Wunder: Das Licht funktionierte wieder!
Es wird wohl ein Wackelkontakt sein, entschieden wir und waren erst einmal froh, dass alles wieder lief.

Als ich am nächsten Tag ins Bad gehen wollte, war es wieder da, unser Problem: Kein Licht.
Ich machte die Spiegelschranktür auf, betätigte den Schalter und siehe da: Es funktionierte!

Ich ging davon aus, dass Erich in alter Gewohnheit das Licht dort oben ausgeschaltet hatte.
Ich fragte ihn, ob es so sein könne. "Niemals! Meine Sachen liegen doch hier!" und zeigte ein Fach tiefer, "wie soll ich mit meiner Hand denn an den Schalter kommen? Und ausgemacht hab ich das Licht hier nicht, das wüsste ich doch.!"
Ich hielt mein freches Mundwerk und beschloss, das Ganze weiter zu beobachten.

Am nächsten Morgen die gleiche Prozedur und dann endlich am dritten Tag kam Erich lachend ins Wohnzimmer: "Weißt du, wobei ich mich gerade erwischt habe? Ich war dabei, das Licht am Spiegelschrank auszuknipsen!"
Jahrelang tat er es jeden Morgen automatisch, nun erwischt er sich ab und an immer noch mal wieder dabei.
Aber wir beide kennen inzwischen diese Fehlerquelle.
Ist ja nicht schlimm…..


letzte Änderung 8.02.06